Karpaltunnelsyndrom
Karpaltunnelsyndrom: Physiotherapie als Alternative zur Operation | PHYSIO silea PHYSIO silea › Blog › Karpaltunnelsyndrom Schmerzbilder Hand & Arm Karpaltunnelsyndrom: Taubheit in der Hand muss nicht operiert werden Nächtliches Kribbeln in den Fingern, taubes Handgelenk, nachlassende Griffstärke – das Karpaltunnelsyndrom ist häufig, schleichend und wird oft zu früh operiert. Was wirklich dahintersteckt, wie Physiotherapie helfen kann und wann eine OP tatsächlich sinnvoll ist: hier erklärt. Von Inga Dammann, Physiotherapeutin bei PHYSIO silea Basel · Lesezeit: ca. 8 Minuten Inhaltsverzeichnis Was ist das Karpaltunnelsyndrom? Symptome und Schweregrade Ursachen und Risikofaktoren Wie wird es diagnostiziert? Was Physiotherapie leisten kann Übungen beim Karpaltunnelsyndrom Die Nachtschiene: sinnvoll oder nicht? Physiotherapie vs. Operation Häufige Fragen zum Karpaltunnelsyndrom Karpaltunnelsyndrom behandeln in Basel Was ist das Karpaltunnelsyndrom? Der Karpaltunnel ist ein enger Kanal an der Innenseite des Handgelenks, gebildet aus Handwurzelknochen und einem straffen Band (Retinaculum flexorum). Durch ihn verlaufen neun Beugesehnen und der Medianusnerv – der Nerv, der Daumen, Zeige-, Mittel- und den halben Ringfinger mit Gefühl und Motorik versorgt. Wenn dieser Kanal zu eng wird – durch Schwellung, Entzündung, Verdickung der Sehnenscheiden oder anatomische Enge – gerät der Medianusnerv unter Druck. Das Resultat: Kribbeln, Taubheit und Schmerzen, die typischerweise nachts besonders stark sind. Häufigste Engpassneuropathie überhaupt Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) ist die weltweit häufigste Nervenengpasserkrankung. Frauen sind rund dreimal häufiger betroffen als Männer, der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen 40 und 60 Jahren. Betroffen sind oft beide Hände – meist ist jedoch eine Seite stärker ausgeprägt. Symptome und Schweregrade Das KTS entwickelt sich meistens schleichend über Monate oder Jahre. Die Symptome folgen einem typischen Muster – und je nach Schweregrad unterscheiden sich auch die Behandlungsoptionen: Frühstadium Nächtliches Kribbeln Taubheit und Kribbeln in Daumen, Zeige- und Mittelfinger, die nachts auftreten und durch Ausschütteln der Hand nachlassen. Tagsüber kaum Beschwerden. Mittleres Stadium Tagsüber Beschwerden Kribbeln und Schmerzen auch tagsüber, besonders bei Tätigkeiten mit gebeugtem Handgelenk (Tippen, Autofahren, Lesen). Nachlassende Griffkraft. Fortgeschritten Dauersymptome & Muskelschwund Anhaltende Taubheit, deutliche Schwäche beim Greifen und Pinzettengriff, sichtbarer Muskelschwund am Daumenballen (Thenar-Atrophie). Sofortige Abklärung nötig. Typisches Zeichen: Der Phalen-Test – maximale Beugung beider Handgelenke für 60 Sekunden – provoziert die Beschwerden. Auch der Tinel-Zeichen (Beklopfen des Handgelenks löst Kribbeln aus) ist ein klassischer klinischer Hinweis. Ursachen und Risikofaktoren Nicht immer gibt es eine eindeutige Ursache. Häufige Risikofaktoren sind: Repetitive Handbewegungen – Tippen, Schweissen, Handwerkarbeiten, Musikspielen Anhaltender Druck auf das Handgelenk – z.B. beim Fahrradfahren oder bestimmten Arbeitsgeräten Schwangerschaft – Wassereinlagerungen erhöhen den Druck im Tunnel (oft nach der Geburt spontan rückläufig) Übergewicht, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen – systemische Faktoren, die Nerven vulnerabler machen Rheumatische Erkrankungen – Entzündungen der Sehnenscheiden verengen den Kanal Anatomische Enge – manche Menschen haben einen generell engeren Karpaltunnel Was viele nicht wissen Das KTS ist oft kein reines Handgelenksproblem. Häufig liegt eine Sensibilisierung des Nervs auf mehreren Ebenen vor – vom Hals über die Schulter bis ins Handgelenk. Dieses Konzept heisst «Double Crush» und erklärt, warum manche Patienten trotz OP keine vollständige Beschwerdefreiheit erreichen. Eine gute Physiotherapie schaut deshalb immer auf die gesamte Nervenbahn. Wie wird das Karpaltunnelsyndrom diagnostiziert? Die Diagnose stellt ein Arzt – meist ein Neurologe oder Handchirurg. Die wichtigsten diagnostischen Schritte: Klinische Tests – Phalen, Tinel, Daumen-Abduktionstest (Kraftprüfung) Elektroneurographie (ENG/EMG) – misst die Nervenleitgeschwindigkeit und zeigt, wie stark der Nerv geschädigt ist Ultraschall – kann Verdickungen des Nervs und der Sehnenscheiden sichtbar machen Das ENG ist entscheidend für die Therapieentscheidung: Es zeigt, ob der Nerv noch gut leitet (konservative Behandlung möglich) oder ob die Schädigung bereits fortgeschritten ist (Operation oft empfohlen). Was Physiotherapie beim Karpaltunnelsyndrom leisten kann Bei leichtem bis mittelschwerem KTS ist Physiotherapie die erste Wahl – und in vielen Fällen ausreichend. Was sie konkret leistet: Nervenmobilisation (Nerve Gliding) Der Medianusnerv muss sich beim Bewegen des Arms frei verschieben können. Wenn er durch Vernarbungen, Entzündungen oder Engpässe «klebt», entsteht Zugspannung – und Schmerz. Gezielte Nervenmobilisationsübungen lösen diese Adhäsionen und verbessern die Gleitfähigkeit des Nervs. Das ist oft der wirksamste erste Schritt. Manuelle Therapie am Handgelenk und der Halswirbelsäule Blockierungen in den Handwurzelknochen, eingeschränkte Beweglichkeit im Handgelenk oder Spannungen entlang der gesamten Nervenbahn (Hals, Schulter, Ellbogen) werden manuell behandelt. Das adressiert – anders als die Operation – den gesamten Verlauf des Nervs. Gezielte Kräftigung und Entlastungsstrategien Die intrinsische Handmuskulatur wird oft vernachlässigt und schwächelt beim KTS. Gezieltes Kräftigungstraining verbessert die Kontrolle und entlastet den Nerv funktionell. Gleichzeitig lernen Betroffene, wie sie im Alltag und am Arbeitsplatz unnötige Druckpositionen vermeiden. Ergonomieberatung Oft liegt eine der Hauptursachen in der Arbeitsposition: zu flach abgestützte Handgelenke, falscher Mauswinkel, schlechte Sitzhaltung. Eine kurze Analyse des Arbeitsplatzes und gezielte Anpassungen können den Therapieerfolg erheblich unterstützen. Ergänzend setzen wir bei PHYSIO silea bei ausgeprägten Muskelverspannungen im Unterarm und Schulterbereich auch Dry Needling ein – besonders dann, wenn der Nerv auf mehreren Ebenen gereizt ist. Übungen beim Karpaltunnelsyndrom Diese Übungen helfen dabei, den Medianusnerv zu mobilisieren und die Handgelenkmuskulatur zu entlasten. Wichtig: Übungen, die Kribbeln oder Taubheit sofort verstärken, sofort stoppen und beim nächsten Physiotherapietermin besprechen. Übung 1 · Nervenmobilisation Median Nerve Glide – Grundposition Arm seitlich ausstrecken, Handgelenk maximal gestreckt (Handfläche zur Decke), Daumen leicht abduziert. Langsam den Kopf zur Gegenseite neigen. Diese Spannung 2–3 Sekunden halten, lösen. 10 Wdh. – kein Kribbeln forcieren, nur bis zur Spannung gehen. Übung 2 · Dehnung Handgelenksstrecker dehnen Arm gestreckt nach vorne, Handfläche zur Decke zeigend. Mit der anderen Hand die Finger sanft nach unten ziehen, bis eine Dehnung an der Unterarminnenseite spürbar ist. 30 Sekunden halten, 3 Wdh. pro Seite. Übung 3 · Mobilisation Handgelenks-Kreise Unterarm auf der Oberschenkel oder Tischkante abgestützt. Handgelenk langsam und kontrolliert in grossen Kreisen bewegen – 10 Mal im, 10 Mal gegen den Uhrzeigersinn. Hält das Gelenk mobil und fördert die Gelenkflüssigkeit. Übung 4 · Kräftigung Fingeropposition (intrinsische Kräftigung) Daumenspitze nacheinander an die Spitze jedes anderen Fingers tippen – präzise und kontrolliert. Runde 1 langsam, Runde 2 etwas schneller. 3 Runden pro Hand. Kräftigt die Thenarmuskulatur, die beim KTS oft geschwächt ist. Wichtig zur Schiene Trage die Nachtschiene konsequent – auch wenn es anfangs ungewohnt ist. Studien zeigen, dass eine Nachtschiene allein bei leichtem KTS in bis zu 40 % der Fälle zur
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