Schulterschmerzen
Schulterschmerzen: Ursachen, Diagnose & was Physiotherapie bringt | PHYSIO silea PHYSIO silea › Blog › Schulterschmerzen Schmerzbilder Schulter Schulterschmerzen: Was dahintersteckt – und wie Physiotherapie wirklich hilft Schmerzen beim Heben des Arms, nächtliches Ziehen in der Schulter, Beweglichkeitsverlust, der sich schleichend einschleicht – Schulterschmerzen haben viele Gesichter. Hinter der richtigen Diagnose steckt oft mehr als man denkt, und die Behandlung ist nicht immer eine Operation. Was wirklich dahintersteckt und wie Physiotherapie konkret helfen kann – hier erklärt. Von Inga Dammann, Physiotherapeutin bei PHYSIO silea Basel · Lesezeit: ca. 8 Minuten Inhaltsverzeichnis Das Schultergelenk: Beweglichkeit hat ihren Preis Die 5 häufigsten Schulterdiagnosen Schulterimpingement: Schmerzhafter Bogen Rotatorenmanschette: Wenn die Sehnen leiden Frozen Shoulder: Wenn die Schulter einfriert Was Physiotherapie bei Schulterschmerzen leistet 4 Übungen für eine gesunde Schulter Wann sofort zum Arzt? Häufige Fragen zu Schulterschmerzen Schulterschmerzen behandeln in Basel Das Schultergelenk: Beweglichkeit hat ihren Preis Das Schultergelenk ist das beweglichste Gelenk im menschlichen Körper – es ermöglicht Bewegungen in nahezu alle Richtungen. Dieser Vorteil hat aber einen Preis: Stabilität. Anders als das Hüftgelenk, das tief in einer knöchernen Pfanne sitzt, liegt der Oberarmknochen nur auf einer flachen Gelenkfläche auf. Die Stabilität kommt fast ausschliesslich aus den umliegenden Muskeln, Sehnen und Bändern. Das macht die Schulter zu einem komplexen System, das leicht aus dem Gleichgewicht geraten kann. Eine schwache oder unkoordinierte Muskulatur, eine Fehlhaltung oder eine einmalige Überlastung können reichen, um Schmerzen auszulösen, die dann hartnäckig bleiben. Schlüsselstruktur: Rotatorenmanschette Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Muskeln (Supraspinatus, Infraspinatus, Teres minor, Subscapularis) und ihren Sehnen. Sie hält den Oberarmkopf in der Pfanne und ermöglicht präzise Rotationsbewegungen. Bei nahezu allen Schultererkrankungen ist diese Struktur in irgendeiner Form beteiligt – direkt als Quelle oder indirekt als Kompensationsmuster. Die 5 häufigsten Schulterdiagnosen Schulterschmerzen sind nicht gleich Schulterschmerzen. Hier die häufigsten Ursachen auf einen Blick: Häufigkeit: sehr hoch Schulterimpingement Einklemmung der Supraspinatussehne oder des Schleimbeutels unter dem Schulterdach. Typisch: schmerzhafter Bogen beim Seitwärtsheben 60–120°. Häufigkeit: hoch Rotatorenmanschetten-Pathologie Von der Reizung bis zum Teilriss oder vollständigen Riss. Kraftverlust und Schmerz beim Heben gegen Widerstand sind typische Zeichen. Häufigkeit: mittel Frozen Shoulder Entzündliche Erkrankung der Kapsel mit zunehmender Steifheit. Betrifft häufig Frauen 40–60 J. und Menschen mit Diabetes. Häufigkeit: mittel Bursitis subacromialis Schleimbeutelentzündung unter dem Schulterdach. Oft begleitet von Impingement. Nächtliche Schmerzen typisch. Häufigkeit: mittel AC-Gelenk-Probleme Schmerzen am Schultereckgelenk – direkt oben auf der Schulter. Typisch nach Sturz auf die Schulter oder bei Überkopf-Sportlerinnen. Schulterimpingement: Der schmerzhafte Bogen Das Schulterimpingement (subakromiales Engpasssyndrom) ist die häufigste Ursache für Schulterschmerzen. Der Begriff beschreibt eine mechanische Einklemmung von Strukturen – Sehnen, Schleimbeutel – im engen Raum zwischen Oberarmknochen und Schulterblatt-Dach (Akromion). Das klassische Zeichen: ein schmerzhafter Bogen beim Heben des Arms zur Seite zwischen 60 und 120 Grad – ein Phänomen, das als «painful arc» bekannt ist. Darunter und darüber ist die Bewegung oft schmerzfrei. Das liegt daran, dass die eingeklemmte Struktur in diesem Winkelbereich den grössten Druck erfährt. Warum entsteht ein Impingement? Oft ist es eine Kombination aus schwachen Schulter-Aussenrotatoren, die den Humeruskopf nicht ausreichend in der Pfanne zentrieren, und einer Vorwärtshaltung der Schulter durch Bildschirmarbeit. Der Kopf des Oberarms wandert leicht nach oben und vorne – und quetscht beim Heben die darunter liegenden Strukturen. Erfahrung aus der Praxis Das Schulterimpingement ist die Diagnose, bei der ich am häufigsten feststelle: Die Schulter selbst ist das Problem – und gleichzeitig nicht das eigentliche Problem. Fast immer steckt eine Schwäche der Aussenrotatoren oder eine Dysfunktion der Schulterblatt-Stabilisation dahinter. Wer nur die eingeklemmte Sehne behandelt und nicht die Ursache, erlebt immer wieder Rückfälle. Physiotherapie ist die erste Wahl beim Impingement – und in Studien zeigen gezielte Übungsprogramme vergleichbare Langzeitergebnisse wie arthroskopische Operationen. Was dabei hilft: Kräftigung der Aussenrotatoren, Schulterblatt-Stabilisation, Mobilisation des Thorax und Haltungskorrektur. Rotatorenmanschette: Wenn die Sehnen leiden Die Supraspinatussehne ist die am häufigsten betroffene Sehne der Rotatorenmanschette. Ihre Pathologien reichen von der Überlastungsreizung (Tendinopathie) über Teilrisse (partielle Ruptur) bis zum vollständigen Riss (totale Ruptur). Das MRT zeigt den Befund – aber nicht immer die Beschwerden. Ein wichtiges Wissen: Viele Risse der Rotatorenmanschette machen keine Schmerzen und werden zufällig entdeckt. Und umgekehrt: Starke Schmerzen bedeuten nicht automatisch einen grossen Riss. Die Korrelation zwischen Bildgebung und Schmerz ist bei der Schulter schwächer als erwartet. Situation Konservativ (Physio) Operativ Überlastungsreizung / Tendinopathie Erste Wahl – sehr gute Prognose Nicht indiziert Partieller Riss (<50 %) Erste Wahl, 6–12 Wochen konsequent Wenn Physio nach 3–6 Mo. versagt Vollständiger Riss bei jungen, aktiven Personen Überbrückung, OP-Vorbereitung Häufig empfohlen Vollständiger Riss bei älteren, wenig aktiven Personen Oft ausreichend mit gutem Ergebnis Nur bei Versagen der Physio Kraftverlust mit Lähmungszeichen Parallel zur OP-Abklärung Dringlich empfohlen Frozen Shoulder: Wenn die Schulter einfriert Die Frozen Shoulder (adhäsive Kapsulitis) ist eine der frustrierendsten Schultererkrankungen – nicht weil sie gefährlich wäre, sondern weil sie Zeit braucht. Die Gelenkkapsel entzündet sich und schrumpft, was zu einer zunehmenden, schmerzhaften Einschränkung der Beweglichkeit in alle Richtungen führt. Typisches Muster: zunächst starke Schmerzen, dann zunehmende Steifheit, schliesslich eine spontane Erholung – der gesamte Verlauf dauert 1–3 Jahre. Betroffen sind häufig Frauen zwischen 40 und 60 Jahren sowie Menschen mit Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen. Die drei Phasen der Frozen Shoulder Phase 1 – Schmerzphase (6–12 Monate): Zunehmende Schmerzen, Bewegungseinschränkung beginnt. Ziel: Schmerzreduktion, sanfte Bewegungserhaltung. · Phase 2 – Einsteifungsphase (6–12 Monate): Schmerzen nehmen ab, Steifheit nimmt zu. Ziel: Beweglichkeit erhalten, kapsulär mobilisieren. · Phase 3 – Auflösungsphase (6–24 Monate): Schrittweise Erholung. Ziel: Kraft und Funktion wiederherstellen. Physiotherapie kann den Verlauf nicht dramatisch abkürzen, aber sie macht ihn erträglicher und verkürzt die zweite und dritte Phase. Manuelle Therapie, gezielte Kapsel-Mobilisation und Heimprogramm sind die Kernelemente. Was nicht hilft: aggressives Durchbewegen in der ersten Phase – das verstärkt die Entzündung. Was Physiotherapie bei Schulterschmerzen konkret leistet Befundaufnahme: Was genau schmerzt – und warum Bevor wir behandeln, verstehen wir: Klinische Tests wie Neer-Zeichen, Hawkins-Kennedy, Empty Can oder Drop Arm Test geben uns wichtige Hinweise auf die betroffene Struktur. Zusammen mit der Bewegungsanalyse und der Schulterblatt-Beurteilung entsteht ein klares Bild – auch ohne MRT, das dann gezielt eingesetzt werden kann. Manuelle Therapie: Kapsel, Gelenk, Gewebe Eingeschränkte Kapselstrukturen, blockierte Thorakal-Segmente, verhärtete Schulter-Nacken-Muskulatur – alles das
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