Spannungskopfschmerzen: wenn die Ursache im Nacken oder Kiefer liegt
Ratgeber · Zuletzt aktualisiert am 23. August 2026 · Fachlich geprüft von Inga Dammann Spannungskopfschmerzen sind die häufigste Kopfschmerzform. Typisch ist ein beidseitiger, dumpf drückender Schmerz, der sich wie ein Band um den Kopf legt und häufig vom Nacken oder Hinterkopf ausgeht. Beteiligt sind meist mehrere Faktoren gleichzeitig: Muskelspannung in Nacken und Kiefer, Stress, Schlafmangel und wenig Bewegung. Der wichtigste und am häufigsten übersehene Punkt betrifft die Schmerzmittel selbst. Sie können ab einer bestimmten Einnahmehäufigkeit zur eigenen Ursache werden. Das Wichtigste in Kürze Beidseitig, drückend, nicht pulsierend, keine Verschlechterung durch Bewegung: das spricht für Spannungskopfschmerz. Nervenfasern aus Nacken und Gesicht laufen im Hirnstamm zusammen. Deshalb wird Nackenspannung als Kopfschmerz gespürt. Ab 15 Kopfschmerztagen im Monat über mehr als drei Monate ist ein Medikamentenübergebrauch mitzudenken. Ein Kopfschmerztagebuch über vier Wochen bringt mehr Klarheit als jede Bildgebung. Ein Donnerschlagkopfschmerz oder Kopfschmerz mit Fieber und Nackensteife ist ein Notfall. Inhalt Was ist ein Spannungskopfschmerz? Spannungskopfschmerz, zervikogener Kopfschmerz oder Migräne? Warum Nacken und Kiefer beteiligt sind Wenn das Schmerzmittel zur Ursache wird Kopfschmerztagebuch führen Was Physiotherapie bewirken kann Vier Übungen für zu Hause Was im Alltag am meisten bringt Wann gehört es sofort abgeklärt? Häufige Fragen zu Spannungskopfschmerzen Was ist ein Spannungskopfschmerz? Der Spannungskopfschmerz ist ein beidseitiger, dumpf drückender oder ziehender Kopfschmerz von leichter bis mittlerer Stärke. Er verschlechtert sich nicht durch körperliche Aktivität und geht in der Regel nicht mit Übelkeit einher. Häufig beginnt er im Nacken oder Hinterkopf und breitet sich nach vorne aus. Der Name ist unglücklich, weil er zwei Bedeutungen vermischt. Gemeint ist die muskuläre Spannung, gemeint ist aber auch psychische Anspannung. Beides spielt eine Rolle, und beides greift ineinander. Unter Stress zieht der Körper die Schultern hoch, presst die Zähne aufeinander und atmet flacher. Diese Muster halten oft an, auch wenn die belastende Situation vorbei ist. Eine einzelne Ursache gibt es selten. Meist summieren sich mehrere Faktoren, von denen keiner für sich allein ausreichen würde: etwas Nackenspannung, eine schlechte Nacht, eine stressige Woche, wenig getrunken, lange am Bildschirm. Deshalb führen einzelne Massnahmen oft nicht weit, während eine Kombination spürbar wirkt. Spannungskopfschmerz, zervikogener Kopfschmerz oder Migräne? Der Spannungskopfschmerz ist beidseitig und drückend. Der zervikogene Kopfschmerz ist einseitig, beginnt im Nacken und lässt sich durch Kopfbewegungen auslösen. Die Migräne ist meist einseitig, pulsierend und wird durch Bewegung schlimmer. Merkmal Spannungskopfschmerz Zervikogener Kopfschmerz Migräne Seite Beidseitig Meist einseitig, immer dieselbe Seite Meist einseitig, Seite kann wechseln Schmerzcharakter Drückend, ziehend, wie ein Band Dumpf, vom Nacken zur Stirn ziehend Pulsierend, pochend Stärke Leicht bis mittel Mittel Mittel bis stark Körperliche Aktivität Ohne Einfluss oder bessernd Bestimmte Kopfbewegungen lösen aus Verschlechtert deutlich Begleitsymptome Kaum, allenfalls Licht- oder Lärmempfindlichkeit Eingeschränkte Nackenbeweglichkeit Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit, teils Aura Dauer 30 Minuten bis mehrere Tage Stunden bis Tage, oft anhaltend 4 bis 72 Stunden In der Praxis sind Mischformen häufig. Viele Menschen mit Migräne haben zusätzlich Spannungskopfschmerzen, und Nackenbeschwerden treten bei allen drei Formen auf. Deshalb ist die Frage nicht immer, welche Form vorliegt, sondern welcher Anteil sich beeinflussen lässt. Warum Nacken und Kiefer beteiligt sind Die Nervenfasern aus den oberen Halswirbelgelenken und die Fasern des Gesichtsnervs enden im selben Kerngebiet im Hirnstamm. Reize aus dem Nacken können dort als Schmerz im Kopf wahrgenommen werden, obwohl die Quelle nicht im Kopf liegt. Das erklärt eine Beobachtung, die viele Betroffene machen: Der Schmerz sitzt an der Stirn oder hinter dem Auge, empfindlich ist aber der Nacken. Es erklärt auch, warum Behandlung am Nacken einen Kopfschmerz beeinflussen kann, der weiter vorne gespürt wird. Der Kiefer gehört zum selben System. Die Kaumuskulatur ist eine der kräftigsten Muskelgruppen des Körpers, und sie arbeitet unbewusst weiter, wenn wir angespannt sind. Wer nachts die Zähne zusammenpresst, wacht mit einem Kopf auf, der sich anfühlt wie nach einem langen Tag. Der Schläfenmuskel liegt direkt dort, wo der Schmerz am häufigsten sitzt. Ein einfacher Selbstcheck: Leg die Fingerkuppen auf die Schläfen und beisse leicht zusammen. Der Muskel, der sich dabei wölbt, ist der Schläfenmuskel. Ist er auch in Ruhe druckempfindlich, ist der Kiefer wahrscheinlich beteiligt. Wenn das Schmerzmittel zur Ursache wird Werden Schmerzmittel zu häufig eingenommen, können sie selbst Kopfschmerzen unterhalten. Nach den internationalen Kriterien liegt ein Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz vor bei Kopfschmerz an 15 oder mehr Tagen pro Monat zusammen mit regelmässigem Übergebrauch über mehr als drei Monate. Die Schwellen sind je nach Wirkstoff unterschiedlich. Für einfache Schmerzmittel wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure und entzündungshemmende Mittel gilt eine Einnahme an 15 oder mehr Tagen pro Monat über mehr als drei Monate. Für Triptane, Opioide, Mutterkornpräparate und Kombinationspräparate liegt die Schwelle bereits bei 10 oder mehr Tagen pro Monat. Wie relevant das ist, zeigen zwei Zahlen. Der Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz betrifft etwa 5 Prozent der Allgemeinbevölkerung. Und epidemiologische Daten aus vielen Ländern weisen darauf hin, dass mehr als die Hälfte der Menschen mit Kopfschmerz an 15 oder mehr Tagen pro Monat davon betroffen ist. Der Teufelskreis Der Ablauf ist immer ähnlich. Der Kopfschmerz wird häufiger, also wird häufiger ein Schmerzmittel genommen. Die häufigere Einnahme macht den Kopf empfindlicher, der Schmerz kommt schneller wieder, und das nächste Mittel folgt früher. Nach einigen Monaten lässt sich nicht mehr sagen, was Ursprung und was Folge ist. Die gute Nachricht: Die Mehrheit der Betroffenen bessert sich, nachdem das übergebrauchte Medikament abgesetzt wurde. Wichtig dazu: Setz Medikamente nicht eigenmächtig ab. Der Entzug kann in den ersten Wochen mit einer deutlichen Verschlechterung einhergehen, und je nach Wirkstoff ist ärztliche Begleitung notwendig. Was du tun kannst, ist zählen. Notier vier Wochen lang, an wie vielen Tagen du etwas eingenommen hast, und bring diese Zahl zum Arzttermin mit. Das ist oft der Moment, in dem sich eine jahrelange Geschichte klärt. Kopfschmerztagebuch führen Ein Kopfschmerztagebuch über vier Wochen liefert die Information, auf die es ankommt: Häufigkeit, Muster, Auslöser und Medikamententage. Es kostet zwei Minuten pro Tag und ersetzt viel Raterei. Nimm ein Notizbuch oder eine Notiz-App und leg eine Zeile pro Tag an, auch an schmerzfreien Tagen. Notier bei Kopfschmerz: Uhrzeit des Beginns, Dauer, Stärke von 0 bis 10, Ort und Charakter des Schmerzes. Trag jedes eingenommene Medikament mit Namen und Menge ein. Diese Spalte ist die wichtigste des
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