Rückenschmerzen: Die 6 wirksamsten Übungen aus der Physiotherapie
Rückenschmerzen: Die 6 besten Übungen aus der Physiotherapie | PHYSIO silea PHYSIO silea › Rückenschmerzen Übungen Rückenübungen Tiefenmuskulatur Basel Die wirksamsten Rückenübungen aus der Physiotherapie trainieren nicht die sichtbaren Rückenmuskeln, sondern die tiefe Rumpfmuskulatur – Multifidus, Transversus abdominis und Beckenboden – die die Wirbelsäule von innen stabilisiert. Sechs Übungen, die Physiotherapeutin Inga Dammann bei PHYSIO silea Basel täglich in der Behandlung einsetzt, sind wissenschaftlich gut belegt und wirken sowohl bei akuten als auch bei chronischen Rückenschmerzen: Bird Dog, Dead Bug, Pelvic Curl, Seitstütz, Cat-Cow und Hüftbeuger-Dehnung. Wie sie korrekt ausgeführt werden, warum sie wirken – und wann Übungen allein nicht mehr ausreichen. Von Inga Dammann, Physiotherapeutin bei PHYSIO silea Basel · Lesezeit: ca. 7 Minuten Inhaltsverzeichnis Warum klassische Rückenübungen oft nicht helfen Die Grundregel: Tiefenmuskulatur zuerst Die 6 wirksamsten Rückenübungen Dein tägliches 15-Minuten-Programm Rückenübungen bei akuten Schmerzen Wann reichen Übungen allein nicht mehr? Häufige Fragen Physiotherapie bei Rückenschmerzen in Basel Warum klassische Rückenübungen oft nicht helfen «Ich mache doch schon Übungen für den Rücken!» – das höre ich häufig. Meist gemeint: Rückenstrecker auf dem Gerät im Fitnessstudio, Crunches oder ein allgemeines Rücken-YouTube-Video. Das Problem: Diese Übungen trainieren meistens die falschen Muskeln. Der grosse, sichtbare Rückenstrecker (Erector spinae) ist bereits oft überspannt – er braucht keine weitere Kräftigung, er braucht Entlastung. Was fehlt, sind die tiefen Stabilisatoren: Multifidus, Transversus abdominis, Beckenboden. Diese Muskeln halten die einzelnen Wirbelkörper in Position und aktivieren sich antizipatorisch – einen Wimpernschlag bevor eine Bewegung beginnt. Bei Menschen mit Rückenschmerzen ist genau diese Vorausaktivierung gestört. Der entscheidende Unterschied Oberflächliche Rückenübungen (Rückenstrecker, Hyperextension) kräftigen Muskeln, die oft schon zu viel arbeiten. Physiotherapeutische Rückenübungen aktivieren die tiefen Stabilisatoren, die zu wenig arbeiten. Das ist der Grund, warum jemand ein starkes «Sixpack» haben kann und trotzdem chronische Rückenschmerzen leidet. Die Grundregel: Tiefenmuskulatur zuerst Bevor wir zu den Übungen kommen, eine wichtige Grundlage: Alle sechs Übungen funktionieren nur, wenn der Transversus abdominis aktiv ist. Das ist der tiefste Bauchmuskel, der den Rumpf wie ein Korsett umgibt. So aktivierst du ihn: Leg dich auf den Rücken, Knie angestellt. Atme aus und ziehe den Bauchnabel sanft nach innen und oben – ohne den Rücken zu bewegen, ohne den Atem anzuhalten, ohne die grossen Bauchmuskeln anzuspannen. Das Gefühl ist subtil. Diese Aktivierung hältst du bei allen folgenden Übungen aufrecht. Mehr über den wissenschaftlichen Hintergrund der Tiefenmuskulatur im Artikel Core Training & Rumpfstabilisation → Die 6 wirksamsten Rückenübungen Übung 1 Bird Dog – Rückenstreckung mit Gegengewicht Multifidus ✓ Gluteus ✓ Auch akut geeignet Die wichtigste Übung für den unteren Rücken – aktiviert den Multifidus segmental und trainiert gleichzeitig Gleichgewicht und Koordination. Wissenschaftlich am besten belegt für LWS-Beschwerden. So geht’s: Im Vierfüssler (Hände unter Schultern, Knie unter Hüften). Transversus aktivieren. Gegenüberliegenden Arm und Bein gleichzeitig langsam strecken – Becken bleibt neutral, kein Hohlkreuz. 3 Sekunden halten, zurück, wechseln. 3 × 10 Wdh. pro Seite. Übung 2 Dead Bug – Rumpfstabilisation in Rückenlage Transversus ✓ Hüftbeuger ✓ Ohne Wirbelsäulenkompression Trainiert die Fähigkeit, Gliedmassenbewegungen von einem stabilen Rumpf zu trennen – genau das, was im Alltag und Sport entscheidend ist. Keine Kompression auf die Bandscheiben. So geht’s: Rückenlage, Arme senkrecht nach oben, Hüfte und Knie 90°. LWS aktiv in den Boden drücken. Gegenüberliegenden Arm und Bein gleichzeitig langsam aussstrecken bis kurz über dem Boden. Zurück zur Mitte. 3 × 8 Wdh. pro Seite. Übung 3 Pelvic Curl – Brückenübung für Gesäss und LWS Gluteus maximus ✓ LWS-Segmente ✓ Reformer-Grundübung Kräftigt die Gesässmuskeln, die bei Rückenschmerzen fast immer zu schwach sind, und mobilisiert gleichzeitig die Wirbelsäule segmental. Auch Grundübung beim Reformer Pilates. So geht’s: Rückenlage, Knie angestellt, Füsse hüftbreit. Wirbel für Wirbel das Becken vom Boden rollen bis zur Brückenposition – Oberkörper, Hüfte, Knie in einer Linie. Kurz halten, dann langsam Wirbel für Wirbel abrollen. 3 × 12 Wdh. Übung 4 Seitstütz – Laterale Rumpfstabilisation Quadratus lumborum ✓ Seitliche Rumpfkette ✓ Fortgeschritten Der Quadratus lumborum – tiefer seitlicher Rückenmuskel – ist eine häufige Ursache für einseitige Rückenschmerzen. Der Seitstütz stärkt ihn gezielt. Einstiegsvariante: Knie am Boden statt Füsse gestreckt. So geht’s: Seitlage auf dem Unterarm, Körper in gerader Linie – oder kniend als Einstieg. Becken anheben, Körper stabil halten. 3 × 20–30 Sekunden pro Seite. Kein Durchhängen der Hüfte. Übung 5 Cat-Cow – Mobilisation der Wirbelsäule Wirbelsäulenmobilisation ✓ Akut geeignet Täglich Keine Kräftigungsübung, sondern Mobilisation: Hält die Wirbelsäule beweglich, verbessert die Durchblutung der Bandscheiben und reduziert Morgensteifigkeit. Ideal als Einstieg ins Programm. So geht’s: Vierfüssler. Einatmen: Rücken nach unten durchhängen lassen (Hohlkreuz, Kopf heben – «Kuh»). Ausatmen: Rücken wie ein Bogen nach oben wölben, Kopf nach unten («Katze»). Langsam und fliessend. 10 Wiederholungen, täglich. Übung 6 Hüftbeuger-Dehnung – Psoas entlasten Psoas major ✓ LWS-Entlastung ✓ Besonders für Sitzende Ein verkürzter Psoas major (Hüftbeuger) zieht die Lendenwirbelsäule dauerhaft in ein Hohlkreuz – eine der häufigsten, aber am wenigsten behandelten Ursachen für LWS-Schmerzen bei Menschen mit viel Sitzen. So geht’s: Kniender Ausfallschritt: vorderes Bein 90°, hinteres Knie am Boden. Becken nach vorne und unten schieben, bis eine Dehnung in der Hüftbeugeregion des hinteren Beins spürbar ist – kein Hohlkreuz. 3 × 30–45 Sekunden pro Seite. Dein tägliches 15-Minuten-Programm Diese sechs Übungen lassen sich zu einem effizienten 15-Minuten-Programm kombinieren. Empfohlen: täglich oder mindestens 4–5 Mal pro Woche. Cat-Cow – 10 Wdh. als Aufwärmung (2 Min.) Dead Bug – 3 × 8 pro Seite (4 Min.) Pelvic Curl – 3 × 12 (3 Min.) Bird Dog – 3 × 10 pro Seite (3 Min.) Seitstütz – 3 × 20 Sek. pro Seite (2 Min.) Hüftbeuger-Dehnung – 2 × 30 Sek. pro Seite (2 Min.) Erfahrung aus der Praxis Die meisten Patientinnen und Patienten machen zu Beginn denselben Fehler: zu viele Wiederholungen, zu wenig Qualität. Bird Dog mit kippendem Becken trainiert die falschen Muster. Dead Bug mit hochgezogenem Rücken trainiert die Hüftbeuger, nicht den Core. Einmal von einer Physiotherapeutin zeigen lassen was korrekte Ausführung bedeutet – das ist mehr wert als hundert schlechte Wiederholungen. Rückenübungen bei akuten Schmerzen Akute Rückenschmerzen bedeuten nicht automatisch: Bettruhe und kein Training. Sanfte Bewegung hilft – Stillliegen verlängert den Schmerz. Was bei akuten Schmerzen erlaubt ist: Cat-Cow –
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